Kerze Bad Bad Bodendorf
Für den Volkstrauertag 2010 planten Aktivisten des Gedenkbündnis Rheinwiesenlager eine stille Form des Gedenkens an die Toten der Rheinwiesenlager. Die Aktion sollte auf dem Ehrenfriedhof Bad Bodendorf stattfinden. In den über 1200 Gräbern des Friedhofs liegen fast ausschließlich deutsche Soldaten, die zwischen dem 28. April und dem 15. Juli 1945 im Kriegsgefangenenlager „Goldene Meile“ in amerikanischer Kriegsgefangenschaft verstarben.

Der Ehrenfriedhof Bad Bodendorf ist einer der wenigen Orte an dem überhaupt deutsche Kriegsgefangene, die in den Rheinwiesenlagern gestorben sind, eine Ruhestätte gefunden haben. Der allergrößte Teil der Toten wurde anonym in Massengräbern verscharrt, verbrannt oder seiner Erkennungsmarken beraubt und wie Müll, irgendwo weit entfernt der Lager, abgeladen.

An den Gräbern des Ehrenfriedhof sollten daher, symbolisch zum Volkstrauertag, Kerzen entzündet werden. Aktivisten des Gedenkbündnis Rheinwiesenlager machten sich daher noch vor dem Morgengrauen, mit mehreren hundert Grablichtern, auf den Weg zum Ehrenfriedhof.

Der frühe Beginn der Aktion wurde bewusst gewählt, um nicht Gefahr zu laufen mit der Gedenkveranstaltung von etablierten Politikern, Geistlichen und Bundeswehrangehörigen zu kollidieren. Die Idee war ein Gedenken an unsere in Gefangenschaft ermordeten Soldaten. Ein Gedenken an die Toten abseits der tagespolitischen Auseinandersetzung, die, über ihre Gräber und die unbekannten Massengräber ihrer Kameraden, mit unserer Kampagne ins Rollen gekommen ist.

Am Friedhof angekommen, wurden die Kerzen aufgestellt und man begann die Kerzen zu entzünden. Mit dem Morgengrauen brannten bereits mehr als 400 Grablichter. Als man nach Anbruch des Tages, im Anschluß an eine Gedenkminute, den Friedhof verließ, brannten weit über 600 Kerzen an den Gräbern der Gefallenen.

Ehrenfriedhof Bad Bodendorf Morgengrauen

Man verließ den Friedhof mit dem guten Gefühl das Gedenken an die Toten nicht durch Auseinandersetzungen mit der Staatsmacht herabgesetzt zu haben.

Kranzniederlegung

Die bürgerliche Gedenkveranstaltung sollte am Nachmittag beginnen. Bereits wenige Stunden, nachdem die Aktivisten den Friedhof verlassen hatten, bekamen sie die Nachricht, dass Mitarbeiter des Ordnungsamtes damit begonnen hatten die Kerzen zu löschen und einzusammeln. Bis dahin ging niemand davon aus, dass die Niedertracht der Herrschenden so weit geht, sogar Grablichter von den Gräbern der Gefallenen zu stehlen, nur weil ihnen gewahr wird, dass die Aufsteller nicht mit ihrem geheuchelten Geschichtsbild konform gehen.

Einige Aktivisten, die in der Umgebung des Friedhofs wohnen, machten sich nach dieser Mitteilung erneut auf den Weg nach Bad Bodendorf, in der Hoffnung das Wegräumen der Grablichter noch verhindern zu können. Die Diskussion am Friedhof verlief allerdings wenig erfolgreich. Die Mitarbeiter des Ordnungsamtes hatten die Grablichter bereits eingesammelt und die hinzugerufene Polizei weigerte sich eine Anzeige wegen Diebstahls, die die Aktivsten noch vor Ort stellen wollten, aufzunehmen. Man drohte unterschwellig sogar mit der Einleitung eines Verfahrens gegen die Aktivsten, weil man zwar ein oder zwei Kerzen aufstellen könnte, bei einer Menge von mehreren hundert Stück allerdings schon eine Genehmigung dafür brauchen würde. Aufgrund dieses mehr als seltsam anmutenden Rechtsverständnisses, bat man die Polizei direkt vor Ort noch einmal darum das Verfahren einzuleiten und gleichzeitig die Anzeige wegen Diebstahls aufzunehmen. Ganz so sicher waren sich die Beamten vor Ort dann offensichtlich doch nicht, zogen sie es doch vor, einfach gar nichts weiter zu tun. Die Aktivsten kündigten noch vor Ort an, dass rechtliche Schritte wegen dieser Maßnahmen folgen werden und entfernten sich erst einmal wieder vom Friedhof.

Als das „Gedenken“ der etablierten Politiker gegen Nachmittag begann und sich die ganzen regimetreuen Politiker eingefunden hatten, um die geschichtliche Wahrheit einmal mehr mit Füssen zu treten, versammelten sich auch nochmal eine handvoll Aktivisten, um Flugblätter zu verteilen und auf die skandalösen Vorkommnisse des Vormittages hinzuweisen.

Auch diese Verteilaktion wurde selbstverständlich von der Polizei beobachtet und die Aktivisten erneut kontrolliert. Heute ist uns einmal mehr bewiesen worden, dass aus den Reihen der etablierten Politik kein Umdenken zu erwarten ist. In geradezu hündischem Gehorsam beten diese Leute – auch heute noch – die Lügen nach, die die Besatzer unserem Volk in den letzten 65 Jahren einzubläuen versuchten. Aber das werden wir nicht widerstandslos hinnehmen!

Wenn diese Leute glauben, dass sie ein Gedenkmonopol durchsetzen können, um ihre Lügen und damit auch ihre Macht schützen zu können, dann haben sie die Rechnung ohne uns gemacht. Wir werden nicht aufhören, die Wahrheit in die Öffentlichkeit zu tragen, denn offensichtlich fürchten die Etablierten nichts mehr als die Wahrheit!